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Quarantäne

Quarantäne ist die vorübergehende Isolierung von Menschen oder Tieren zur Verhinderung der Ausbreitung von infektiösen Krankheiten. So steht es im Lexikon.
Was bedeutet das für mich? Warum sollte ich überhaupt Quarantänemassnahmen bei meinen Neuerwerbungen durchführen? Wie sieht ein Quarantänebecken aus?

Wer schon einmal Kiemenwürmer in sein Becken eingeschleppt hat und im voll bepflanzten Gesellschaftsbecken behandeln musste, der weiss worüber ich hier schreibe.
Es ist ein Drama. Es muss mindestens zwei mal behandelt werden, Fische und Filterbakterien leiden unter der Behandlung mit dem Medikament. Folgekrankheiten durch die Schwächung und dem Stress sind keine Seltenheit...
Und alles nur, weil ich nicht abwarten konnte und meinen neuen Fisch (der, unbemerkt von mir, mit Kiemenwürmern befallen war) statt in ein Quarantänebecken, direkt in das grosse Schaubecken gab...
Im Quarantänebecken wäre der Befall in der Quarantänezeit (4-6 Wochen) sicher aufgefallen und leicht zu behandeln gewesen. So hatte der Befall einige Todesfälle, hohe Kosten und viel Stress (für die Bewohner und mich) zur Folge.

Wie sieht ein Quarantänebecken denn aus? Ein relativ spartanisch eingerichtetes Becken. Der Boden dünn (~5mm) mit Sand bedeckt(*), als Versteckmöglichkeiten ein, zwei Höhlen (Kokusnusshälften, Blumentöpfe,...) einbringen, zum unterstellen zb. eine Echinodorus in einem kleinen Tontopf (Loch verschliessen!) einpflanzen und in das Becken stellen. Aber auch eine Hand voll Hornkraut schwimmend auf der Wasseroberfläche funktioniert sehr gut. Wichtig ist, das alle Teile im Becken schnell entfernt werden können (**).

Als Filter würde ich einen mit Schaumstoffpatronen oder mit Filterwatte bestückten Luftheber (***) bevorzugen. Wenn noch ein Filter anderer Bauart vorhanden ist, kann man den sicher nehmen (wenn er nicht hoffnungslos überdimensioniert ist). Den Filter dann noch mit Filterschlamm aus dem eigentlichen Aquarium animpfen (wichtig! sonst steigen die Nitrat- und Nitritwerte sehr schnell(!) in für Fische schädliche Bereiche). Der Filter kann natürlich auch im Hauptbecken mitlaufen und ist so immer aktiv und zum Einsatz bereit. Noch einen Regelheizer und dann ist das Becken von der Einrichtung her vollständig. Bei Welsen ist darauf zu achten das der Heizer so angebracht ist das sich schutzsuchende Welse nicht verbrennen können.

Wie grosssoll das Becken sein? Das hängt ganz von der Grösse der Fische ab die dort die Quarantänezeit verbringen sollen. Es ist kein Pflegebecken in dem Sinne und mussnicht so gross sein. Wer den Platz hat sich das Becken dauerhaft aufzustellen (kann auch im Aquarienunterschrank sein), der fährt wohl am besten wenn er sich ein kleines Komplettaquarium Set (40-60 Liter, mussnicht bis oben gefüllt werden) vom Discounter holt.

Ich habe kein Becken zur Hand. Auch kein Problem, zum Quarantänebecken lässt sich einiges zweckentfremden. Bei einem grossen schwedischem Möbelmarkt gibt es sehr günstig kleine eckige Plastikkisten zu kaufen. In jedem Baumarkt dürfte man für unter 5€ fündig werden. Als Beispiel habe ich hier ein Foto von Diana Rösch (www.wassernatur.deExterner Link zur HP von Diana Rösch), die einfach eine Oscar Tonne (Lebensmittelechte Wäschetonne) als Quarantäne- und Behandlungsbecken umfunktionierte:

Oscar Tonne als Quarantänestation

Wo soll das Becken stehen? An einem möglichst ruhigen Ort um die Fische nicht zusätzlichen Stress auszusetzen. Ein tägliches, ausgiebiges Beobachten muss aber trotzdem noch "bequem" möglich sein (man sollte sich doch täglich 15 - 20 Minuten Zeit zum Beobachten nehmen).

Wie oft soll ich den Wasserwechsel durchführen? Wenn die Möglichkeit bestand, den Filter vernünftig anzuimpfen, bzw. das Becken schon lange im Dauerbetrieb ist, dann kommt man sicher mit ein bis zwei Wechseln in der Woche gut aus. Ist das Becken aber komplett neu eingerichtet ist es wohl das beste wenn jeden Tag min. ein Viertel des Wassers gewechselt wird (Wechselwasser am Tag zuvor vorbereiten damit es schon abgestanden ist). Auf jeden Fall mussdie Wasserqualität immer im Auge behalten werden (in beiden Fällen!).

Was ist mit dem Werkzeug? Kescher und andere Werkzeuge dürfen nur in diesem Becken genutzt werden und nicht in das Hauptbecken gelangen. Anderenfalls könnte sich eine eventuelle Krankheit den Weg über das Werkzeug zu den anderen Fischen suchen.

Mitbewohner? Schnecken leisten gute Dienste, in dem sie Futterreste beseitigen (müsste sonst abgesaugt werden). Von Fischen als Dauerbewohner oder Beibesatz im Quarantäneaquarium würde ich abraten.

Wie lange soll die Quarantänezeit sein? 4 bis 6 Wochen sollten ausreichen um eine eventuelle Erkrankung zu erkennen. Wenn Krankheiten festgestellt und behandelt werden, verlängert sich die Quarantäne eventuell (um die Zeit der Behandlung).

Wie setze ich um? Ein paar Tage vor Ende der Quarantäne mit Wechselwasser aus dem Zukünftigen Aquarium einen täglichen kleinen Wasserwechsel machen. Die Temperatur ggf. angleichen. Den Fisch wie gewohnt in das neue Becken setzen (Wasser langsam angleichen und den Fisch ohne das Quarantänewasser in das neue Becken geben).

Temperaturunterschied ist sehr gross! Quarantänebecken und zukünftiges Becken müssen auf dem selben Temperaturniveau sein.
Ausnahmen: Falls Fische aus schlecht gepflegten Aquarien oder Ähnlichen übernommen werden kann es natürlich vorkommen das die dortigen Temperaturverhältnisse in einem krassen Gegensatz zu den Werten zu Hause stehen. Grundsätzlich wäre es in dem Fall wohl das beste die Temperatur im Quarantänebecken den Werten anzugleichen, die den Fischen bis zu dem Zeitpunkt ausgesetzt waren. Dann kann man ganz langsam die Werte über Tage oder Wochen auf die angestrebten einstellen.
Wenn die Temperatur vorher dauerhaft um einige Grad höher lag als das Niveau zu Hause muss über viele Tage langsam reduziert werden. Die Fische könnten sich sonst regelrecht Erkälten und Folgekrankheiten wie Ichtyo und Bakterielle Infektionen sind vorprogrammiert.
Lag die Temperatur niedriger als zu Hause ist das Problem nicht ganz so gross. Das auch hier die Temperatur langsam angeglichen wird, dürfte hoffentlich jedem klar sein(!).
Besondere Aufmerksamkeit bedarf allerdings die Ernährung der Fische. Bei höheren Temperaturen muss der Organismus mehr leisten als bei niedrigen Temperaturen. Durch den erhöhten Energiebedarf können bis dato gut genährte Fische in sehr kurzer Zeit verhungert. Darum ist unbedingt darauf zu achten das bei der Fütterung jeder seinen Teil abbekommen.

 

(*)Der Glasboden in einem Aquarium wird von Bakterien besiedelt die den bodenorientierten Fischen eventuell Probleme bereiten. Deckt man den Boden mit Sand ab hat man das Problem nicht. Kies hätte den Nachteil das der Kot der Fische in die Zwischenräume fällt und weder betrachtet (kann evtl. aufschlussreich bei Krankheitserkennung sein) noch entfernt werden kann.

(**)Das schnelle und Problemlose entfernen der Gegenstände ist zum Beispiel beim Umsetzen am Ende der Quarantäne nötig um den Fisch nicht durch lange Fangaktionen zu stressen.

(***)Den hier meine ich: Innenfilter

Sven Stürcken


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